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Es braucht Gewerbler in der Politik “Interview Gewerbezeitung Bezirk Bülach”

Davon ist Roger Bösch, Präsident des Gewerbevereins Bassersdorf Nürensdorf (GVBN), überzeugt. Natürlich ist auch ihm klar, dass der Wind für Unternehmen rauer geworden ist. Aber gerade darum darf sich das Gewerbe nicht auf Symptombekämpfung beschränken, sondern muss sich aktiv einbringen.

Ein Beispiel dafür ist Christian Pfaller, der neben seinem Maler-Betrieb seit acht Jahren im Gemeinderat Bassersdorf das wichtige Ressort Bau und Werke leitet. Roger Bösch hat mit Christian Pfaller gesprochen.

 

Roger Bösch: Sie sind seit 2010 Gemeinderat in Bassersdorf. Was hat Sie seinerzeit zur Kandidatur bewogen?

Christian Pfaller: Die Aufgaben in einer Exekutive sind spannend. Es geht immer um Menschen, Mehrheiten und Sachfragen. Ich stelle die Sache gerne in den Mittelpunkt. Wenn ein Geschäft gut und fundiert vorbereitet ist, finden sich dafür auch Mehrheiten.

 

Wie haben Sie sich genügend Freiräume für Ihre politische Arbeit geschaffen?

Das war nicht ganz einfach. Aber es heisst ja, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Durch das zusätzliche Schaffen neuer Strukturen in meinem Betrieb und das Verständnis meiner Familie habe ich immer die für das Amt und die Politik nötige Zeit gefunden.

 

Wo gibt es besondere Herausforderungen für Sie als Gewerbler?

Als Gewerbler ist man gewohnt, schnell und autonom zu entscheiden – das geht in der Politik nicht immer. Als Gewerbler ist man aber sicher lösungsorientiert. Das kommt einem in der Politik zugute. – Und natürlich ist es mir als Gewerbler wichtig, für das ansässige Gewerbe gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

 

Was sagen Sie zum Stichwort Finanzen?

Mir ist ein haushälterischer Umgang mit den Finanzen sehr wichtig. Dazu gehört, dass die richtigen Prioritäten gesetzt werden, aber auch, dass langfristig geplant wird. Gerade im Ressort Bau und Werke ist das von grosser Bedeutung.

 

Viele Aufgaben sprengen heute die Gemeindegrenzen …

Ja, das stimmt. Vieles wird heute in Zweckverbänden organisiert. Das hat den Vorteil, dass die demokratischen Entscheide eingehalten und trotzdem optimale Strukturen geschaffen werden können. Ein Beispiel ist etwa die Abwasserreinigungsanlage Eich, an der die Gemeinden Nürensdorf, Lindau und Bassersdorf beteiligt sind und bei der ich Präsident der Betriebskommission bin. Wir haben als erste Anlage im ganzen Zürcher Unterland eine Ozonung gebaut – solche Projekte lassen sich nur gemeinsam lösen.

 

Gibt es weitere Beispiele?

Ja, natürlich. Etwa das gemeindeübergreifende Forstrevier Hardwald und Umgebung (FRHU). Auch hier lassen sich die erforderlichen Geräte sinnvoller amortisieren und die Arbeiten besser organisieren. Wir haben seit dem offiziellen Zusammengehen der Gemeinden Wallisellen, Dietlikon, Opfikon, Nürensdorf und Bassersdorf im Januar 2006 eine enorme Effizienzsteigerung und einen grossen Mehrwert für Natur, Mensch und Umwelt erreicht.

 

In der Region stehen grosse Infrastrukturbauten an. Wie stellen Sie sich dazu?

Hier muss ich zuerst anmerken, dass es sich bei den Grossprojekten Brüttenertunnel und Glattalautobahn um Infrastrukturbauten handelt, bei denen Kanton und Bund entscheiden. Ich finde es wichtig, dass wir uns über die Gemeindegrenzen hinaus bei Bund und Kanton für die Bedürfnisse der Bevölkerung einsetzen. Solche Projekte müssen unter Einbezug der Bedürfnisse von Bevölkerung und Politik geplant und ausgeführt werden. Eine in diesem Zusammenhang stehende Umfahrung von Bassersdorf ist zu realisieren. In diesem Zusammenhang müssen wir uns das nötige Gehör verschaffen, für die Region und für Bassersdorf.

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